Familie Wolfers / Abrahamssohn
Grete Wolfers, geborene Abrahamssohn, wurde 1912 in Hamburg als Tochter von Joel und Paula Abrahamssohn geboren. Die Familie lebte im Stadtteil Eimsbüttel. Grete wuchs gemeinsam mit ihren Geschwistern Jenny (1904), Else (1906) und Norbert (1916) in einem bürgerlich jüdischen Haushalt auf. Sie besuchte die Loewenberg-Schule und war später als Stenotypistin tätig. Am 3. Oktober 1937 heiratete Grete Abrahamsson Gustav Wolfers in der Bornplatz Synagoge im Hamburger Grindelviertel.
Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...
Flucht nach Sydney / Australien
Grete und Gustav Wolfers auf dem Weg nach Australien, auf dem Schiff P.&O. Orama im November 1937. Signatur PER00885
Noch im selben Monat verließ das Ehepaar Deutschland. Die Ausreise erfolgte über Amsterdam, wo Grete und Gustav Wolfers Verwandte besuchten. Von dort flohen sie per Schiff über Großbritannien nach Australien. Die Einreise nach Australien war durch ein Arbeitsvisum für Gustav Wolfers als gelernter Tischler möglich. Die Emigration war laut Familienerinnerung zugleich die „Hochzeitsreise“ der Eltern. Die Reise und Ankunft in Sydney sind durch Fotografien und ein Reisetagebuch dokumentiert, das Grete Wolfers auf der Fahrt führte.
Gruppenfoto von Grete und Gustav Wolfers mit Else und Norbert Abrahamsohn in Amsterdam, 1937. Signatur PER00884
Leben in Sydney / Australien
In Sydney lebte das Paar zunächst unter schwierigen Bedingungen. Gustav Wolfers versuchte, sich mit Fotografie ein Einkommen aufzubauen. Restriktionen bei der Berufsausübung zwangen ihn jedoch, sich weitgehend in seinem erlernten Beruf zu betätigen. Grete Wolfers arbeitete zunächst als Putzkraft, später als Sekretärin. Bei dieser Tätigkeit konnte sie ihre Qualifikationen einbringen. Mit der Zeit gelang es dem Paar, wirtschaftlich Fuß zu fassen.
Grete Wolfers lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2004 in Sydney. Auch ihre Kinder – Edward, Norma (2017 verstorben) und Howard – sowie zahlreiche Enkel und Urenkelkinder leben bis heute in Australien.
„The photo project gives me the opportunity to share the visual memory of the world of my parents, grandparents and great-grandparents before it was torn apart by Nazism. It reassures me that the memory of my Jewish Hamburg families will help others to remember the lives of their families and how precious it is to pass on a respect and love of core values. The project is a reminder of the importance of remembering and preserving positive memories of the past, promoting tolerance, understanding, respect for others and a willingness to stand up for what is right and not stand by when violence, racism and antisemitism emerges.“
(Howard Wolfers über die Bedeutung des Erinnerungsprojekts, 2025)
Schicksal weiterer Familienmitglieder
Die Eltern von Grete Wolfers, Joel und Paula Abrahamssohn, waren in Hamburg zurückgeblieben. Sie wurden von dort 1942 nach Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet. Auch ihre Geschwister Jenny und Else Abrahamssohn überlebten die NS-Verfolgung nicht. Ihr Bruder Norbert wurde in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert und dort 1941 ermordet.
„The physical houses remain, but the soul of vibrant family life has gone.“
(Howard Wolfers über Erinnerung und Verlust, 2025)
Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Howard Wolfers und sind Teil des Publikationsprojektes „Visualizing the Past – Creating the Future: Familienfotos – Familiengeschichten“.