Familie Seligmann-Ferara / David
Raphael Seligmann-Ferara wurde 1887 als Elias Raphael Seligmann in Köln geboren, wo er am Konservatorium der Musik studierte. Den Namensteil „Ferara“ fügte er seinem Nachnamen erst später zu. In Posen gründete er ein Musik Konservatorium und heiratete 1911 Lea (auch Lily genannt) David mit der er drei Kinder bekam: Lucia (auch Lucy genannt, 1912), Lydia (1915) und Helga (1920).
1920 übernahm er das renommierte Brahms Konservatorium in Hamburg und war fortan mit seiner Familie tief in der Hamburger Kulturlandschaft verwurzelt.
Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...
Objekte des Albums
„This photo project is an act of remembrance and recognition for me. It allows personal stories to be seen and given a firm place within the historical narrative.“
(Susie Gorney über die Bedeutung des Erinnerungsprojekts für ihre Familie, 2025)
Verfolgung und Flucht
In Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Raphael Seligmann-Ferara in seinen Tätigkeiten immer weiter eingeschränkt bis er schließlich 1937 seinen Posten als Direktor des Konservatoriums verlor. Seine Ehefrau Lea verstarb 1934. Raphael Seligmann-Ferara selbst gelang 1939 die Flucht nach Großbritannien (Hull und Southampton) später in die USA, wo er 1961 in Manhattan verstarb.
Die drei Töchter konnten der Verfolgung durch das NS-Regime auf unterschiedlichen Wegen entkommen: Helga Seligmann floh nach der Reichspogromnacht im Dezember 1938 nach Großbritannien, wo sie später Kurt Gornitzky (später: Gorney) heiratete. Lucy Seligmann war mit ihrem Ehemann Fritz Kahn bereits 1936 die Flucht nach Großbritannien geglückt wo sie eine gemeinsame Tochter, Irene (verstorben 2020), bekamen. 1938 konnte Lydia Seligmann über Amsterdam, wo sie ihren späteren Ehemann Harry Ostwald kennenlernte, und Lissabon in die USA emigrieren. Dort bekam das Paar zwei Töchter, Renée und Jean (verstorben 2013).
1941 wurde das Brahms Konservatorium geschlossen und das Gebäude im Krieg zerstört.
Fotocollage von Susan Gorney: Rafael Seligmann-Ferara mit
seinen drei Töchtern Lydia, Helga und Lucy, oben ca. 1930 - unten in Großbritannien, ca. 1955. Signatur PER00804
Pass von Helga Seligmann (später Gornitzky). Signatur PER00808
Erinnerung und Wiederbegegnung
Trotz des gewaltsamen Endes ihres Hamburger (Familien-)Lebens bewahrten Helga Gorney und ihre Kinder Susie und Ronnie eine enge Bindung zur Stadt: Mehrere Besuche in Hamburg, zuletzt 2018, zeugen von dem Wunsch, Erinnerung und Herkunft wachzuhalten.
2004 wurde der Veranstaltungssaal des neu gegründeten Johannes-Brahms-Konservatoriums in Hamburg in „Raphael-Saal“ umbenannt, um das Vermächtnis von Raphael Seligmann-Ferara zu ehren.
„The memory of Hamburg remained vivid for my mother Helga throughout her life. During a return visit in 1994, she gave a televised interview in which she spoke very clearly about how sad she was to leave such a beautiful city. For me, the Brahms Conservatory and the Jewish cemetery are especially meaningful. My grandfather, Raphael Seligmann-Ferara, was once director of the conservatory until he was removed by the Nazis. In 2004, in a deeply symbolic act, the concert hall was named in his honour.“
(Susie Gorney über die Bedeutung von Hamburg für ihre Mutter Helga Gorney, 2025)
Helga Gornitzky (geb. Seligmann) mit ihrem Ehemann und den Kindern Ronnie und Susan Gorney in Hamburg, 1995. Signatur PER00809
Besuch der Grabsteine von Clara und David Hermann sowie von Lea (Lily) Seligmann in Hamburg-Ohlsdorf, 2018. Signatur PER00810
Ausschnitt des Titelblatts der Publikation „Das Brahms Konservatorium Hamburg von 1908". Signatur BAU00389
Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Familienarchiv Susan Gorney und sind Teil des Publikationsprojekts "Visualizing the Past — Creating the Future: Familienfotos - Familiengeschichten".