Familie Rendsburg / Wehl
Das Hochzeitsfoto zeigt Siegfried Rendsburg und Hanna Wehl am Tag ihrer Hochzeit im Jahr 1906. Beide stammten aus großen, in Hamburg verwurzelten jüdischen Familien: Er war eines von vierzehn, sie eines von acht Geschwistern und fast alle Verwandten lebten in der Hansestadt.
Das Ehepaar bekam drei Töchter: Babette (1907), Lilly (1909) und Rosa (auch Rosi genannt, 1913), die die jüdischen Schulen der Stadt besuchten. Die Familie war eng mit der Bornplatz Synagoge verbunden, die eines der religiösen Zentren des jüdischen Lebens in Hamburg darstellte. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte Siegfried Rendsburg für das Deutsche Kaiserreich. Er fiel 1918. Im gleichen Jahr verstarb auch Babette Rendsburg, zwei schwere Schicksalsschläge, die die Familie in den folgenden Jahren verarbeiten musste.
Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...
Flucht
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutete für Hanna Rendsburg und ihre Kinder einen dramatischen Einschnitt. 1938 gelang Rosi die Flucht in die USA. Auch andere Familienmitglieder fanden im Ausland Zuflucht, wie zum Beispiel in Shanghai, Simbabwe, Aruba, Kolumbien, Palästina (später Israel) und den USA. Lilly Rendsburg hingegen, die 1937 noch in die Niederlande geflohen war und dort Walter Meininger geheiratet hatte, wurde 1943 über Westerbork nach Sobibor deportiert und dort ermordet. Ihre Mutter Hanna Rendsburg wurde 1943 ebenfalls aus den Niederlanden deportiert und in Auschwitz ermordet.
„The word Hamburg evokes the home of the very large family that I never knew because of the Holocaust and the dispersion of survivors around the world.“
(Steven Drysdale über den Verlust von Familie und Heimat durch Verfolgung und Exil, 2025)
Portrait von Rosi Rendsburg, ihrer Cousine Erika zum Abschied gewidmet, Hamburg, 1938. Signatur PER00770
Rückseite des Portraits von Rosi Rendsburg, ihrer Cousine Erika zum Abschied gewidmet, Hamburg, 1938. Signatur PER00770
Erinnerung
Rosi Rendsburg überlebte den Holocaust und heiratete Eric Drysdale mit dem sie einen Sohn – Steven Drysdale – bekam. 2006 verstarb sie in Boca Raton (USA). Ihre Erinnerungen und Erzählungen lassen die Geschichte der Rendsburgs bis heute weiterleben und sind zu gleich ein Zeugnis der einst lebendigen jüdischen Gemeinschaft Hamburgs.
„My mother was the only one of her siblings to survive the war, so she was the one that passed down the traditions of the family. This was specifically about the Jewish holidays observances, the melodies sung during those observances, and all the special cooking and baking that accompanied those festivals. Throughout the entire time that my mother was alive, we were never to forget how vibrant the family life was in Hamburg, and how it was obliterated. Many of these people were almost mythological to me, part of the very mythological family that my mother spoke about.“
(Steven Drysdale über familiäre Erinnerung und Traditionen nach der Shoah, 2025)
Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Familienarchiv Steven Drysdale und sind Teil des Publikationsprojekts "Visualizing the Past — Creating the Future: Familienfotos - Familiengeschichten".