Familie Frankenberg / Benjamin
Das Foto aus den 1960er Jahren zeigt Susie Barnett gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern in Reading (Großbritannien). 1938 war Susie Barnett als Rachel Frankenberg in Hamburg geboren worden. Ihr Vater, Arthur Frankenberg, betrieb dort ein Kohlehandelgeschäft.
Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...
Flucht nach England und Shanghai
„I was only eleven months old when my mother managed to bring me to England on 27th July 1939. I have, therefore, no personal memories of Hamburg before 1945. However, Hamburg has always had a fascination for me as the place where I was born, where my parents lived after they married in 1923, where my three siblings were born and spent their early childhood and where my father had his business as a coal merchant. I first visited the city when I was 21 in 1959, then again in 2003, 2012 and 2018. I was able to visit some of the places associated with my family, especially on my visit with my husband in 2018.“
(Susie Barnett über die Bedeutung von Hamburg im Familiengedächtnis, 2025)
Arthur Frankenberg nach seiner Flucht mit chinesischen Freunden, Shanghai, 1940er Jahre. Signatur PER00761
Im Juni 1938 wurde Arthur Frankenberg in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurde. Unter der Auflage, Deutschland umgehend zu verlassen, wurde er 1939 aus der Haft entlassen und floh nach Shanghai.
Neuanfang in Großbritannien
Minna Frankenberg (geb. Benjamin), der Mutter von Susie Barnett, gelang es 1939 ein Hausangestellten Visum für Großbritannien in letzter Minute zu bekommen. Das Visum erlaubte es ihr, sich selbst und ihre jüngste Tochter Susie Barnett, damals erst 11 Monate alt, in Sicherheit zu bringen. Ihre anderen drei Kinder, Inge (1924), Herbert (1925) und Ellen (Eleonore, 1929) konnten zwischen Mai und Juli 1939 auf unterschiedlichen Kindertransporten nach Großbritannien „ausreisen“, wo sie erst einmal in Pflegefamilien oder Kinderheimen untergebracht wurden.
Erst 1947 gelang es dem Vater von Susie Barnett, Arthur Frankenberg, aus Shanghai nach Großbritannien zu kommen – als Familie lebten sie aber nicht wieder alle zusammen, da es die Umstände nicht zuließen.
Ausweis von Inge Frankenberg für den Kindertransport nach Großbritannien, 1939. Signatur PER00760
Herbert Frankenberg in britischer Armeeuniform in Großbritannien, ca. 1944. Signatur PER00762
Brief von Arthur Frankenberg an "Frau Möller" um seinen Freund Ernst Möller wiederzufinden, Reading / Hamburg, 1947. Signatur PER00765
„It is important to keep this story alive in order to raise awareness of the past and draw lessons for the future."
(Susie Barnett über die Bedeutung dieses Erinnerungsprojekts, 2025)
Gedenken
Seit dem Ende der 1950er Jahre arbeitete Susie Barnett als Lehrerin und gründete eine eigene Familie. Im Ruhestand begann sie, sich intensiv mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen und an Schulen über die Verfolgung und das Schicksal ihrer Familie im Holocaust zu berichten. Denn nur einem Teil der Familie gelang die Flucht aus Deutschland. Zahlreiche Angehörige der Familie wurden Opfer des NS-Regimes. So etwa Susies Großmutter Ernestine Schullehrer, die 1941 deportiert und im Ghetto Łódź ermordet wurde. Ihr Onkel Alexander Benjamin, seine Frau Sophie und Tochter Ilse wurden 1942 aus Pößneck in das Ghetto Belzyce deportiert und dort ermordet. In Pößneck erinnern heute Stolpersteine an ihre Schicksale. Dieser Geschichte verpflichtet, hielt Susie Barnett über 120 Vorträge und wurde für ihr Engagement in der Holocaust Aufklärung mit der British Empire Medal ausgezeichnet.
Stolperstein für Susie Barnetts Onkel Alexander Benjamin in Pößneck, 2014. Signatur PER00764
Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Susie Barnett und sind Teil des Publikationsprojektes „Visualizing the Past – Creating the Future: Familienfotos – Familiengeschichten“.