Familie Fabian
Steffi Elias wurde am 24. Mai 1919 in Hamburg als Steffi Fabian geboren. Ihre Eltern, Martin Fabian und Katharina Fabian (auch Käthe oder „Kitty“ genannt, geb. Rosener) hatten im Mai 1918 in Berlin geheiratet. Sie ließen sich aber in Hamburg nieder. Martin Fabian machte sich hier noch vor dem Ersten Weltkrieg als Kaufmann selbstständig und diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. 1923 eröffnete er mit seiner Frau Katharina das Herrenbekleidungsgeschäft Fabian am Steindamm 102 in Hamburg-St. Georg.
Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...
„I started life as only son, with three grandparents and no uncles or aunts. I am respectful of what my grandparents and mother went through. For the past decades I have discovered an amazing heritage, of which a snippet is shared here. Family history goes back to Fabian Fabian who was Hofschneider born in 1822 and a tailor just like my grandfather Martin Fabian born 1889, who was not allowed to become a Hofschneider. […] My pictures show just one small family group that managed to survive unlike the millions that did not survive.“
(Eric M. Elias über seine weitreichende Familiengeschichte, 2025)
Verfolgung
Postkarte von Martin Fabian an Katharina / „Kitty“ Fabian aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen / Oranienburg, November 1938. Signatur PER00774
Mit Beginn der NS-Verdrängungs- und Verfolgungsmaßnahmen verschlechterte sich die Situation der Familie. Der Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933 durch die NS-Behörden traf insbesondere das Kaufhaus Fabian hart. Martin Fabian, der aus einer großen Familie kam, konnte einigen Familienmitgliedern finanziell die Flucht ermöglichen, so zum Beispiel seinem Bruder Bruno nach Shanghai. Dort verstarb dieser 1943.
Nach der Pogromnacht 1938 musste Martin Fabian sein Geschäft aufgeben und wurde ins Konzentrationslager Sachsenhausen/Oranienburg verschleppt. Andere Familienmitglieder kamen in der Shoah um, wie zum Beispiel in Riga und Theresienstadt. Martin Fabians Bruder Hans (1893), ein ausgebildeter Bildhauer, wurde aufgrund von Erkrankungen mit einem Sammeltransport aus Langenhorn/Hamburg in die „Landespflegeanstalt Brandenburg“ an der Havel überführt, die eine Tötungsanstalt im Rahmen des „Euthanasie“-Programms der NS-Behörden „Aktion T4“ war. Dort wurde er noch am Tag der Ankunft ermordet.
Flucht und Neuanfang
Als 19-Jährige wurde Steffi Fabian von ihren Eltern 1938 mit einem Visum für Hausangestellte nach Großbritannien geschickt. Erst spät im Jahr 1939 konnte Steffi Fabian ihre Eltern nachholen. Ein Transport-Lift, der im gleichen Jahr noch einige Besitztümer der Familie nach Großbritannien transferieren sollte, wurde im Hamburger Hafen zurückgehalten, 1941 beschlagnahmt und zugunsten des Deutschen Reichs versteigert.
In Großbritannien heiratete Steffi Fabian 1944 den aus Wien stammenden Eduard Elias und gemeinsam bekamen sie einen Sohn, Eric Michael Elias, der 1949 in Westminster/London geboren wurde. 1965 verstarb Martin Fabian in London. Katharina Fabian blieb Witwe. 1985 verstarb auch sie.
Eric Elias als Baby mit seinen Eltern Steffi Elias (geb. Fabian) und Eduard Elias, London, 1949. Signatur PER00778
Aliens Registration Certificate von Steffi Elias (geb. Fabian), East London, 1944. Signatur PER00781
Erinnerung
Eric Elias mit seiner Mutter Steffi Elias (geb. Fabian), zu ihrem Geburtstag, Clara Nehab Care Home / London, 2011. Signatur PER00779
Steffi Elias (geb. Fabian) hielt die Erinnerung an ihre hamburgisch-jüdische Familiengeschichte wach, bis sie mit 96 Jahren in London verstarb. Ihr Sohn Eric M. Elias setzt sich weiterhin für die Bewahrung des Familiengedächtnisses ein.
„My mother, Steffi, left behind friends, family, family home, family business and much more. From having a maid in Hamburg, she became a domestic maid in the United Kingdom, but always looked forwards and not backwards.“
(Eric M. Elias über die familiären Herausforderungen im Exil, 2025)
Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Familienarchiv Eric M. Elias und sind Teil des Publikationsprojektes „Visualizing the Past – Creating the Future: Familienfotos – Familiengeschichten“.