Familie van Son (Vanson) / Oettinger

Portraitaufnahme eines Mannes und einer Frau

Die Familie van Son stammte ursprünglich aus den Niederlanden und lebte in Hamburg in der Hansastraße im Grindelviertel, einem Stadtteil, der sich im 19. Jahrhundert zum Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg entwickelte. Manfred van Son wurde 1916 als Sohn von Regina (geb. Oettinger) und Hugo van Son geboren. Seine Großeltern väterlicherseits, Rosa und Philipp van Son, gehörten ebenfalls der jüdischen Gemeinde in Hamburg an. Rosa und Philipp van Son hatten neben ihrem Sohn Hugo noch zwei Töchter, Elsa und Emma. Bei Elsa und ihrem Ehemann Benjamin Perlmann, die in der Brahmsallee 12 mit ihren drei Kindern wohnten, lebte Philipp van Son nach dem Tod seiner Ehefrau Rosa im Jahr 1929. Die Familien van Son und Perlmann waren eng miteinander verbunden. Alle Männer dieser Familien waren Mitglieder des orthodoxen Synagogenverbandes und spielten eine bedeutende Rolle in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburgs. Hugo van Son war 1936 verstorben, Regina blieb mit ihrem Sohn Manfred allein in Hamburg zurück, da die Tochter Ilse bereits in den Niederlanden lebte und der Sohn Herbert unter ungeklärten Umständen in Shanghai verstorben war.

Die ersten Fotos zeigen das Leben in Hamburg...

 

„I associate the name Hamburg with the home of my forebears. It is the place where they lived and thrived, ran businesses, were involved in the life of the Jewish community, went to school, played and engaged in social life.“

(Dorothea Shefer über die Bedeutung von Hamburg im Familiengedächtnis, 2025)

Verfolgung und Flucht

Nach der Reichspogromnacht 1938 organisierte Regina van Son für ihren Sohn Manfred die Flucht zu Verwandten nach England. Dort heiratete Manfred van Son (nun Vanson) Fraenze Hirsch Vanson (geb. Hirsch), mit der er drei Töchter, Dorothea, Esther und Ruth, hatte. Emma Pollack gelang die Flucht zu ihren Kindern ins britische Mandatsgebiet. Elsa und Benjamin Perlmann wurden am 11. Juli 1942 von Hamburg direkt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch Regina van Son wurde am 15. Juli 1942 von Hamburg nach Theresienstadt deportiert und starb dort wenige Monate später.

Leben in Großbritannien und Israel

Manfred und Franziska Vanson lebten von 1939 bis 1983 in Großbritannien. Ihre drei Töchter wurden dort in den Jahren 1942, 1945 und 1947 geboren und wuchsen in London auf.

 

ein Mann sitzend am Schreibtisch mit einem Telefon

Manfred van Son in seinem Büro in London / Großbritannien, 1978. Signatur PER00877

 

Portraitaufnahme einer Frau und eines Mannes

Manfred und Fraenze van Son in Israel, 1985. Signatur PER00879

zwei Erwachsene mit drei Kindern drinnen sitzend

Manfred und Fraenze van Son mit ihren Kindern Dorothea, Esther und Ruth in Kingsbury, London / Großbritannien, 1959. Signatur PER00874

 

Zwischen 1964 und 1974 emigrierten die Töchter zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach Israel, wo sie heirateten und eigene Familien gründeten. Als Manfred Vanson in den Ruhestand trat – nach seiner Tätigkeit bei der Jewish Blind Society – zogen auch er und seine Frau 1983 nach Israel. Franziska Vanson verstarb 1996, Manfred 2003; beide wurden in Jerusalem beigesetzt.

 

 

drei Personen draußen stehend

Manfred Vanson mit seiner Frau Franziska nach der Verleihung eines Ordens, Buckingham Palace / London, 1980. Signatur PER00881

„For me the photo project is another important way of commemorating my family and its German roots. My parents met in Hamburg while attending Hebrew class (in preparation for immigrating to Palestine, which did not happen then as they had to flee at short notice after Kristallnacht). My mother, Fraenze Vanson nee Hirsch, came to Hamburg from Sprottau, Silesia, to work as a cook in a children's home.“

(Dorothea Shefer über ihre Eltern, 2025)

Die Fotos stammen aus dem Familienarchiv Dorothea Shefer und sind Teil des PublikationsprojektesVisualizing the Past – Creating the Future: Familienfotos – Familiengeschichten“.